Heute möchte ich etwas von meiner derzeitigen Betätigung in meiner Organisation erzählen.
Das zurzeit aktuelle Projekt beschäftigt sich mit der Verbreitung von energiesparenden Holzöfen und wurde von meinem Vorgänger Martin angestoßen. Dabei geht es darum, sowohl den CO2-Ausstoß zu senken als auch die Entwaldung zu bekämpfen, Probleme, die Hand in Hand miteinander auftreten: durch die hohe Bevölkerungsdichte ist gerade im Süden schon ein großer Teil des Baumbestandes abgeholzt worden. Dies soll durch die Verbreitung von effizienten Öfen, die gegenüber der traditionellen Kochmethode (drei Steine rings ums Feuer, Topf draufstellen, fertig) bis zu 70% weniger Holz benötigen, und zudem raucharm sind, verhindert werden. Die Gelder für das Projekt kommen von co2balance, einer britischen Organisation, die eine Kompensation von (durch Privatpersonen sowie Unternehmen erzeugte) CO2-Emissionen vornimmt – durch solche und ähnliche Projekte.
Wie ich bereits schrieb, ging es gleich am Tag nach meiner Ankunft los aufs Land in den Ngeruka Sector (=kleinste Verwaltungseinheit) im Bugesera District (=Landkreis) im Süden von Kigali (nahe der burundischen Grenze), um drei Universitätsstudenten in das Projekt einzuweisen: Sie hatten die Aufgabe, vorgefertigte Interview-Fragebögen zu den Koch- und Feuerungsmethoden in der Region auszufüllen, indem sie ortsansässige Familien besuchen und befragen. Zusätzlich zu dieser Machbarkeitsstudie sollte die Menge des täglich verbrauchten Holzes gewogen werden, indem die Interviewer vier Tage lang täglich in den Haushalten das Holz vor und nach dem Kochen wiegen. Am Freitag nach meiner Ankunft wiesen wir (mein Vorgänger Martin, mein Chef Jean-Baptiste und ich) also unsere (ziemlich gut bezahlten) Helfer ein, erklärten alles genau und gingen mit ihnen alle Punkte des Fragebogens durch. Am Montag darauf begann also die Datensammlungsorgie, letzten Freitag war die Erhebung abgeschlossen.
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Und jetzt?
Damit ist die Arbeit jedoch noch nicht abgeschlossen, denn nun müssen alle 60 Fragebögen in eine Exceltabelle eingetragen werden, damit co2balance die Daten analysieren und auswerten kann. Ich weiß also, was ich den heutigen Sonntag lang (so heilig er auch hier sein mag) tun werde, denn am Montag müssen die digitalisierten Daten im United Kingdom sein. Wenn die Studie nun morgen hoffentlich fertig eingetippt ist, wird sie in England ausgewertet. Auf Grundlage der Ergebnisse wird dann entschieden, ob das Projekt für diesen Sector weitergeführt wird (sehr wahrscheinlich). Als nächstes muss dann ein Stakeholder-Treffen abgehalten werden, bei dem alle beteiligten Parteien, also Vertreter von co2balance, FAPDR (also mein Chef und ich) und MININFRA (dem Infrastrukturministerium) bzw. der Regierung anwesend sind. Erst wenn alles abgeklärt ist, geht es in die Praxis-Phase, in der die Öfen hergestellt und schließlich verteilt werden. Bis dahin kann es jedoch noch dauern – die Bürokratie ist überall eine Hydra.
Nächstes mal geht es mal um etwas weniger inhaltslastiges – um meine konkrete Wohnsituation vielleicht oder den Trip nach Kibuye am Kivu-See.